Luftverschmutzung an Schulen und Kindergärten liegt deutlich über internationalen Empfehlungen
Die starke Luftverschmutzung in Almaty könnte sich nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf die geistige Entwicklung von Kindern auswirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Almaty Air Initiative, die anlässlich des Internationalen Kindertages veröffentlicht wurde. Demnach entspricht die langfristige Belastung durch Feinstaub (PM2,5) einer potenziellen Verringerung der Intelligenzleistung um sieben bis acht IQ-Punkte.
Für die Studie wurden Daten von 352 Schulen und 1.008 Kindergärten im Schuljahr 2025/2026 ausgewertet. Grundlage waren Messungen eines stadtweiten Sensornetzwerks sowie öffentlich zugängliche Datenquellen. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Luftqualität im Umfeld der Einrichtungen und nicht auf deren Betrieb.
Empfehlungen deutlich überschritten
Die durchschnittliche Feinstaubbelastung lag bei Kindergärten bei 44,8 und bei Schulen bei 43 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Damit wurden die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von fünf Mikrogramm im Jahresmittel nahezu um das Neunfache überschritten. An fast der Hälfte aller Schultage lagen die Werte zudem über dem in Kasachstan geltenden Tagesgrenzwert.
Die Forscher stützen sich unter anderem auf eine internationale Meta-Analyse aus dem Jahr 2024. Demnach korreliert jeder zusätzliche Mikrogrammwert PM2,5 pro Kubikmeter Luft mit einem durchschnittlichen Rückgang des IQ um 0,27 Punkte. Auf die in Almaty gemessenen Werte übertragen ergibt sich die Schätzung eines möglichen Verlusts von sieben bis acht IQ-Punkten.
Besonders alarmierend ist die Situation in den nördlichen Stadtteilen der Metropole. Die Bezirke Turkssib und Alatau verursachten zusammen fast zwei Drittel aller Stunden mit extremer Luftverschmutzung während des Untersuchungszeitraums. Im Bezirk Turkssib wurden die WHO-Richtwerte an 91 Prozent aller Schultage überschritten. Nach Berechnungen der Stiftung entspricht die Schadstoffbelastung eines Kindes dort während eines Schuljahres etwa den Auswirkungen von mehr als 400 gerauchten Zigaretten.
Zu den am stärksten belasteten Schulen der Stadt zählen die Schule Nr. 156 im Bezirk Alatau, die Schule Nr. 84 in Turkssib sowie das Gymnasium Nr. 147 im Bezirk Almaly. An der Schule Nr. 156 lagen die durchschnittlichen Feinstaubwerte zeitweise 16-mal höher als die WHO-Empfehlungen.
Das Gymnasium Nr. 147 gilt als Beispiel dafür, wie lokale Emissionsquellen die Belastung beeinflussen können: Obwohl der Bezirk Almaly vergleichsweise bessere Werte aufweist, sorgte die Nähe zum Bahnhof Almaty-2 mit Diesel-Lokomotiven und kohlebefeuerten Waggons für besonders hohe Messwerte.
Wintermonate besonders kritisch
Die Untersuchung zeigt zudem deutliche saisonale Schwankungen. Die Luftverschmutzung nahm mit Beginn der Heizperiode stark zu und erreichte im Dezember mit durchschnittlich 62,4 Mikrogramm pro Kubikmeter ihren Höchststand. Erst im April sank die Belastung auf vergleichsweise sichere Werte.
Auch innerhalb der Woche registrierten die Forscher Unterschiede. Die höchsten Feinstaubwerte wurden sonntags gemessen, während viele Kinder montags noch den Folgen der über das Wochenende angesammelten Smogbelastung ausgesetzt waren.
Besonders kritisch sind die Abendstunden: Nach 17 Uhr steigen die Konzentrationen in den nördlichen Stadtteilen häufig auf 80 bis 90 Mikrogramm pro Kubikmeter an – genau zu der Zeit, wenn Kinder von der Schule, Freizeitangeboten oder vom Spielen im Freien nach Hause zurückkehren.
Neben möglichen Auswirkungen auf die geistige Entwicklung erhöht verschmutzte Luft nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auch das Risiko für Asthma, chronische Atemwegserkrankungen, eine verminderte Lungenfunktion sowie Konzentrations- und Lernprobleme.
Konkrete Schutzmaßnahmen gefordert
Die Stiftung Almaty Air Initiative fordert deshalb konkrete Schutzmaßnahmen. Dazu gehören ein Verbot von Kohleheizungen im Umkreis von Schulen und Kindergärten, die Installation öffentlich zugänglicher Luftsensoren an Bildungseinrichtungen, moderne Lüftungssysteme mit HEPA-Filtern in besonders belasteten Stadtteilen sowie klare Schulprotokolle für Tage mit hoher Luftverschmutzung.
„Smog in Almaty ist nicht nur ein Umweltproblem. Er bedroht die Gesundheit, die Zukunft und das intellektuelle Potenzial unserer Kinder“, erklärte Schyldys Saulbekowa, Direktorin der Stiftung Almaty Air Initiative.
Die Untersuchung basiert auf Daten aus dem Zeitraum von Oktober 2025 bis April 2026. Mit rund 200 Sensoren betreibt die Stiftung eines der größten unabhängigen Netzwerke zur Feinstaubmessung in Zentralasien.
Pressekontakt: Anna Nikitenko, pr@air.org.kz, +7 777 055 19 92, www.air.org.kz, Instagram: @air.org.kz
























