Die Bibliothek des Goethe-Instituts in Almaty war Schauplatz einer Buchpräsentation. Mit einer Lesung wurde der Gedichtsband, der von Gert Heidenreich und Iran-Gaiyp verfasst worden war, dem interessierten Publikum präsentiert. Da Heidenreich nicht selbst anwesend sein konnte, übernahm der scheidende Institutsleiter Richard Künzel seinen Part, während Gaiyp seine Gedichte selbst vortrug.

Am 13.Dezember wurde in der Bibliothek des Goethe-Instituts in Almaty das Buch „Kasachisch-deutsche Gedichte“ vorgestellt. Der Gedichtsband ist das Ergebnis eines deutsch-kasachischen Gemeinschaftsprojekts, das Richard Künzel als Leiter des Goethe-Instituts initiiert hatte. Ausgangspunkt des Ganzen war seine Einladung an den deutschen Dichter, Gert Heidenreich, im Mai 2001. Mit der Lesereise des deutschen Lyrikers durch Kasachstan verband das Goethe-Institut neben der Verbreitung deutscher Kultur das Ziel der Begegnung Heidenreichs mit kasachischen Kollegen. Daraus entstand die gewinnbringende Verbindung des deutschen Schriftstellers mit Iran-Gaiyp, dem Staatspreisträger der Republik Kasachstan.

Ein Bergbauingenieur auf Abwegen

Gaiyps Karriere hatte eigentlich als Bergbauingenieur begonnen, ehe er 1979 seinen alten Beruf an den Nagel hängte und sich der Literatur widmete. Nach einem kurzen Literaturstudium in Moskau, startete Gaiyp seine zweite Laufbahn als Lyriker. Bis heute hat es der Dichter und Dramatiker auf eine stattliche Anzahl an Veröffentlichungen gebracht. Neben seinen Gedichten hat er mehr als 20 Bühnenstücke veröffentlicht. Zeichen von Gaiyps Erfolg sind nicht nur die zahlreichen Auszeichnungen sondern auch, dass „seine letzte Vorstellung“, laut Künzel „von mehr als 3.000 Leuten besucht wurde.“

Schicksal überwindet alle Barrieren

Gaiyps tiefgreifende Verbindung zu Heidenreich beruht nach Angaben des Goethe-Instituts „unter anderem auf der Verwendung einer ähnlichen Lyriksprache und auf gemeinsamer Trauer angesichts der Tatsache, dass jeder der beiden Schriftsteller beinahe zeitgleich einen Sohn durch Unfall verloren hatte.“ Obwohl sprachliche Barrieren – keiner der beiden spricht eine Sprache die der andere versteht – zwischen den Schriftstellern standen, entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit. Nach einem Gegenbesuch Gaiyps in Deutschland, unterstützt durch die Deutsch-Kasachische Gesellschaft und die LiteraturWERKstatt in Berlin, fiel die Entscheidung zu einem gemeinsamen Projekt. Bis Herbst 2005 verfassten beide Dichter insgesamt jeweils 21 eigene Gedichte sowie ihre entsprechenden 21 Nachdichtungen. In einer Internet-Präsentation und mehreren Lesungen stellten Gaiyp und Heidenreich eindrucksvoll unter Beweis, dass sie ihr Ziel, nämlich die erstmalige direkte Übertragung deutscher und kasachischer Lyrik in die jeweils andere Sprache erreicht hatten. Der im Goethe-Institut vorgestellte Gedichtsband soll, als erstes seiner Art, der ohne den Umweg über die russische Sprache einen kasachisch-deutschen Literaturtransfers zu Wege brachte, nun den zukünftigen Austausch der beiden Schriftkulturen vorantreiben.

Ein Abschiedsgeschenk an die kasachische Kultur

Eröffnet wurde die heutige Lesung in der Bibliothek des Goethe-Instituts vom scheidenden Leiter des Goethe-Instituts, Künzel. Er wird in zwei Tagen nach Manila, seiner neuen Wirkungsstätte, abreisen. Mit der Initiierung des Gedichtsbands konnte er sein langjähriges Wirken in Almaty krönen und einem versöhnlichem Abschluss zuführen. Nach einer kurzen Beschreibung des Projekts und dessen Ablaufs kam er zur Vorstellung Iran-Gaiyps: „Wir alle haben Iran-Gaiyp als großen Verehrer der Frauen kennen gelernt“ Nach einem kurzen: „Gut, gut“, eines zustimmenden des kasachischen Lyrikers, gab der Leiter des Goethe-Instituts sogleich mit Gaiyps Gedicht „Die Frau, das Leben“ eine Kostprobe von dessen Fähigkeiten als Frauenanbeter. Eröffnet wurde dann der eigentliche Reigen der Lyrik von Batima Mauesowa, einer zeitgenössischen Dichterin aus Kasachstan. Ihre kurzen Gedichte, darunter „Moleküle“ und „Lebenssinn“, stimmten die zahlreich erschienenen Besucher auf das noch folgende Programm ein. Abwechselnd trugen dann Gaiyp und Künzel Gedichte vor. Während Künzel den Part des verhinderten Heidenreichs übernahm, las der kasachische Lyriker, der eine sehr musikalische Art zu sprechen hat, aus seinem eigenen Werk. Ein jedes Mal gefolgt vom Applaus der Zuhörer, die an diesem Tag die aus allen Nähten platzende Bibliothek des Goethe-Instituts regelrecht übervölkert hatten. Einzige Wermutstropfen der Veranstaltung: der Platzmangel und der vormittägliche Zeitpunkt der Lesung, der der arbeitenden Bevölkerung nicht unbedingt entgegenkam. Am Abend hätte man mit solch einer Veranstaltung noch mehr Interessierte anlocken und erreichen können.

Von Christoph Salzl

22/12/06

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