Ehe für keinen? Keinesfalls

David Živković
David Živković studiert Politikwissenschaft und Slawistik in London und spezialisiert sich auf Themen wie Soziolinguistik und nationale Identität. Zurzeit arbeitet er bei der DAZ als Praktikant. | Bild: privat

Dass nicht die Abschaffung der Ehe, sondern eine gegenteilige Aktion auf der Agenda des Bundestags lag, ist keineswegs zu verurteilen. Eine Reaktion auf den Kommentar von Ina Hildebrandt.

Gesellschaftlich sowie soziolinguistisch ist das Konzept der Zweisamkeit nicht wegzudenken. Denken wir an Dualwörter wie zum Beispiel „beide“ im Deutschen, „oba“ im Russischen oder „ambo“ im Lateinischen, so wird die Priorität der Zweisamkeit im Vergleich zu anderen polygamen Konstruktionen ersichtlich. Die Idee von Zwei greift auch nicht bei einem Vater-Mutter-Kind-Modell –, allein mathematisch erkennt man schon, dass hier die Rechnung nicht aufgeht.

Bei einer Ehe geht es nicht primär um Kinder oder darum, vom Elternhaus wegzuziehen. Das hat die Menschheit mittlerweile verstanden. Im Vordergrund einer Ehe stehen Person A und Person B. Es liegt im Interesse beider Personen, eine stabile Bindung aufzubauen, die nicht von einem Tag auf den anderen getrennt werden kann – vorausgesetzt, beide sind dazu bereit, diese Bindung einzugehen und die Verantwortung für deren Erhalt zu übernehmen. Der Wille dazu wird durch eine gesellschaftlich anerkannte Symbolik (z.B. Eheringe) befestigt.

Dies bedenkend erscheint es nicht als überraschend, dass ein Staat seinem Interesse an Ehegemeinschaften auch mit finanziellen Mitteln nachfolgt. Die Symbolik einer staatlichen Unterstützung verstärkt das Stabilitätsgefühl einer Ehe. Die erhöhte Stabilität kommt beiden Eheparteien zugute, insbesondere in einer Welt, die sich durch erhöhte gesellschaftliche Volatilität und Flexibilität auszeichnet, jedoch auch der Staat zieht daraus Vorteile.

Wenn ein Staat eine Ehe unterstützt, erhofft er sich nicht primär eine Garantie für Nachwuchs, sondern mehr soziale Stabilität. Die Tatsache, dass staatliche Kinderbeihilfen nicht über die Beziehung zwischen den Eltern, sondern über das Kind selbst verteilt werden (als Beispiele dienen Österreich und Deutschland), zeigt, dass es einem Staat bei einer Ehe nicht darum geht, die Basis für die nächste Generation zu legen.

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Bei den Streitdebatten rund um die „Ehe für alle“ ging und geht es nicht um das Konzept der Ehe und der Zweisamkeit. Dabei handelt es sich vielmehr um nominelle Diskussionen, also darum, wer seine Partnerschaft als „Ehe“ bezeichnen kann. Darum ging es auch bei der Entscheidung des Bundestags. Am Konzept der Ehe zu rütteln bringt nur unnötiges Chaos.