Im Rahmen eines Schüleraustauschs verbringen 15 Schüler aus Riesa einige Tage in Almaty. Nach zwei Besuchen kasachstanischer Schüler in Deutschland ist dies der zweite und damit vorerst letzte Gegenbesuch der Sachsen in Kasachstan

„Was genau auf dem Programm steht, wissen wir noch gar nicht, wir lassen uns überraschen“, erklärte Ingrid Troschel, Russischlehrerin aus Riesa, bei ihrer Ankunft im 113. Linguistischen Gymnasium in Almaty. Gemeinsam mit 15 Schülern zwischen 13 und 19 Jahren sowie ihrer Kollegin Karin Gläser, ebenfalls Russischlehrerein, ist sie für zehn Tage aus Deutschland nach Kasachstan gekommen. Die Schülergruppe vom Städtischen Gymnasiums Riesa stattet der hiesigen Partnerschule des sächsischen Gymnasiums einen Besuch ab.

Am 15. Februar, nur ein paar Stunden nach der nächtlichen Landung auf dem Flughafen in Almaty, wurde die Gruppe aus Riesa von einem gut organisierten Begrüßungskomitee der Schule in Empfang genommen. Als Einstimmung auf das für die meisten deutschen Jugendlichen noch völlig unbekannte Kasachstan, warteten die Schüler aus Almaty mit einem Kulturprogramm auf, bei dem sich schon die ganz Kleinen mit Soloauftritten, Tanz- und Gesangsdarbietungen mächtig ins Zeug legten.

Für die nächsten Tage hat Gastgeberin Estella Viktorowna Leonowa, Direktorin des 113. Gymnasiums, ein interessantes Programm für die Besucher aus Deutschland zusammengestellt: Medeu, Kasachstanisches Museum, Höhlenzeichnungen in Tamgaly, Opernbesuch zum Ballett „Giselle“, Zirkus und ein Ausflug nach Schimkent. Daneben erhalten die deutschen Schüler und ihre Lehrerinnen die Gelegenheit, in den Klassen des 113. Gymnasiums zu hospitieren. An der Schule mit sprachlichem Schwerpunkt werden in manchen Klassen schon ab dem ersten Schuljahr Deutsch, Englisch und Kasachisch als Fremdsprachen unterrichtet.

Erholen werden sich die deutschen Gäste bei ihren Gastfamilien. Jeder Schüler wohnt bei einer anderen Familie und ist dort ganz allein auf seine russischen Sprachkenntnisse angewiesen. Alle Schüler aus Riesa haben Russisch als zweite Fremdsprache gewählt und lernen die Sprache seit der siebenten Klasse. Einige der Jugendlichen sind bereits zum zweiten Mal in Kasachstan. Denn der Schüleraustausch zwischen den beiden Gymnasien aus Riesa und Almaty läuft schon seit vier Jahren. Seitdem waren zwei kasachstanische Schülergruppen in Deutschland und vor zwei Jahren kamen die Deutschen erstmals nach Zentralasien.

Der Schüleraustausch geht auf eine Initiative des Goethe-Instituts zurück. Jährlich schreibt es einen Wettbewerb für die Schulen in Kasachstan aus, bei dem Unterrichtsprojekte mit Bezug zur deutschen Sprache eingereicht werden. Der Preis ist ein Schüleraustausch mit einer Schule in Deutschland – durch das Goethe-Institut organisiert und zum großen Teil auch finanziert. „Deshalb ist die Beteiligung in Kasachstan sehr rege“, so Adelheid Uhlmann, Projektkoordinatorin beim Goethe-Institut. „In Deutschland hingegen müssen wir die Schulen gezielt ansprechen. Dort besteht meist nur wenig Interesse an Kasachstan“, bemängelt Uhlmann das Engagement an den deutschen Schulen. Doch bisher ging das Verhältnis zwischen deutschen Interessenten und kasachstanischen Wettbewerbsgewinnern immer gerade auf, so dass jede Schule in Kasachstan auch einen Partner in Deutschland fand.

Für das Städtische Gymnasium Riesa und das 113. Linguistische Gymnasium Almaty geht der Schüleraustausch in diesem Jahr zu Ende – zumindest der offiziell organisierte. Das Goethe-Institut stellt die Förderung der beiden Schulen nach vier Jahren und jeweils zwei Gegenbesuchen ein. Doch möglicherweise hat sich, wie das Goethe-Institut hofft, die Partnerschaft zwischen den Schulen so weit gefestigt, dass sie den Austausch in Zukunft selbst organisieren. Für Riesa und Almaty ist diese Hoffnung durchaus berechtigt. Denn bereits seit 1996 bestehen Kontakte zwischen den beiden Schulen. Mit dem Goethe-Austausch wurde die Verbindung wieder aufgefrischt, dranbleiben müssen die Schulen jetzt selbst.

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