Wie lässt sich Deutsch in Zentralasien stärken, wenn einerseits die Lehrkräfte knapp werden und andererseits Englisch recht erfolgreich um Lernende konkurriert? Beim IV. Zentralasiatischen Deutschlehrerforum in Almaty suchten Lehrkräfte, Hochschulen und Wirtschaft gemeinsam nach Antworten. Außerdem entwarfen sie Perspektiven für die nächsten Jahre.

Am 25. und 26. September 2026 fand an der Kasachischen Nationalen Pädagogischen Frauenuniversität in Almaty das IV. Zentralasiatische Deutschlehrerforum statt. Unter dem Leitmotiv „Deutsch in Zentralasien: Bildung, Innovation und Kooperation“ kamen Deutschlehrkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulen, Fachverbänden und internationalen Organisationen aus Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Deutschland zusammen.

Zu den Gästen aus Deutschland gehörten die Germanisten Prof. Csaba Földes von der Universität Erfurt und Prof. Karin Pittner von der Ruhr-Universität Bochum. Auch Tobias Stüdemann von der Freien Universität Berlin nahm am Hochschulforum teil, um Fragen der akademischen Mobilität und der Doppelabschlussprogramme zu eruieren.

Aktiv beteiligt waren auch Deutschlehrkräfte aus den anderen zentralasiatischen Ländern und brachten ihre wertvollen Erfahrungen und Perspektiven ein. Zudem waren Lehrkräfte vertreten, die in den regionalen Gesellschaften der deutschen Minderheit in Kasachstan tätig sind. Ihre Teilnahme erweiterte den Austausch über Schulen und Hochschulen hinaus. Außerdem machte sie die Vielfalt der unterschiedlichen Orte sichtbar, an denen Deutsch in der zentralasiatischen Region vermittelt und gepflegt wird.

Bemerkenswert war auch die Anwesenheit eines führenden kasachischen Germanisten, des Professors Kusain Rysaldy. Trotz seines hohen Alters nahm er am Forum teil. Seit 1964 ist er an der Abylai-Khan-Universität für Internationale Beziehungen und Weltsprachen in Almaty tätig und hat die Germanistik in Kasachstan über Jahrzehnte als Hochschullehrer, Forscher und Autor zahlreicher Fachpublikationen mitgeprägt.

Moderiert wurde das Forum von Mereke Tankibayeva, der Präsidentin des Deutschlehrerverbandes der Republik Kasachstan. Als Initiatorin und Mitorganisatorin prägte sie die Veranstaltung maßgeblich. Mit großem Engagement setzt sie sich für die Weiterentwicklung von Deutsch als Fremdsprache in Kasachstan ein.

Der hohe Stellenwert von Deutsch als Fremdsprache

In seiner Eröffnungsansprache begrüßte Sabit Suatay, der Prorektor für akademische Angelegenheiten der gastgebenden Universität, die internationalen Gäste. Er betonte, dass die Hochschule nationale Werte mit internationalen Erfahrungen verbinden und pädagogische Fachkräfte für die Anforderungen einer modernen Bildungslandschaft ausbilden wolle. Als konkreten Schritt nannte er den Ausbau des Deutschstudiums auf der Bachelor- und der Masterebene.

Der deutsche Generalkonsul in Almaty, Matthias Kiesler, erläuterte den hohen Stellenwert, den die Förderung von Deutsch als Fremdsprache für das Generalkonsulat habe. Deutschland arbeite derzeit an einer Strategie zur Förderung des Deutschunterrichts in Kasachstan. Als zentrale Voraussetzung, um mehr junge Menschen für Deutsch zu gewinnen, nannte Kiesler attraktive Lernangebote an Schulen und Hochschulen. Zudem nannte er genügend gut ausgebildete und sich dauerhaft fortgebildende Lehrkräfte.

Da viele erfahrene Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer in Kasachstan in den kommenden Jahren aus dem Schuldienst ausscheiden dürften, sei ein Engpass absehbar. Kiesler hob außerdem die Zusammenarbeit Deutschlands, Österreichs und der Schweiz bei der Förderung der deutschen Sprache hervor. Er betonte, dass auch die zentralasiatischen Länder voneinander lernen könnten.

Dr. Gisela Zimmermann, die Leiterin des DAAD-Regionalbüros Zentralasien, stellte die stärkere regionale Ausrichtung der DAAD-Arbeit vor. Die Außenstelle für Zentralasien war zwei Tage vor dem Forum in Bischkek feierlich eröffnet worden. Zimmermann begrüßte die Initiativen des Forum, die auf den Ausbau des Austauschs von Studierenden und Lehrenden zwischen den Ländern gerichtet sind. Sie erklärte, dass diese etwa durch ein regionales Programm nach dem europäischen Vorbild von „Erasmus“ realisiert werden könnten. Zugleich verwies sie auf regional unterschiedliche Entwicklungen. Während das Interesse an Deutsch in Usbekistan bereits rasant wachse, müsse es unter anderem in Kasachstan und Kirgisistan weiter gefördert werden.

Herausforderungen wurden sichtbar

Die Perspektive der Wirtschaft brachte Eduard Kinsbruner, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien, ein. Unternehmen erwarteten von Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit Deutschkenntnissen neben sprachlicher Kompetenz auch die Fähigkeit, Probleme zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen zu entwickeln.

Besonders mittelständische Firmen könnten von Mitarbeitenden profitieren, die neben Deutsch auch die wirtschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der Region verstünden. Kooperationsfelder gebe es unter anderem im Maschinenbau, in der Energie- und Rohstoffwirtschaft, in Logistik, Landwirtschaft, Digitalisierung, Dienstleistungen und dem Bildungswesen.

Als zentrale Herausforderungen wurden der drohende Mangel an qualifizierten Deutschlehrkräften und die unterschiedlichen Bedingungen für den Deutschunterricht in den Ländern der Region benannt. Zugleich konkurriere Deutsch mit der verbreiteten Priorisierung des Englischen als erster Fremdsprache. Auch die mehrsprachige Situation, in der sowohl die jeweilige Landessprache und Russisch beide eine wichtige Rolle spielen, prägt den Unterricht zusätzlich.

Für die regionale Zusammenarbeit stellt sich zudem häufig die Frage der Finanzierung: Zimmermann zufolge sind die Fördermöglichkeiten des DAAD für den Austausch innerhalb Zentralasiens begrenzt. Dies liegt daran, dass viele Programme auf den Austausch mit Deutschland ausgerichtet sind. Aus Sicht der Wirtschaft kommt hinzu, dass Absolventinnen und Absolventen neben Deutschkenntnissen auch praktische und interkulturelle Kompetenzen benötigen.

Fachliche Gesprächsrunden und praktische Workshops

Das Forum bot sowohl Vorträge an als auch fachliche Gesprächsrunden mit praktischen Workshops. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit der DAAD-Initiative „Dhoch 3“ und ihrer Anwendung in der Praxis, mit der Digitalisierung, der KI und der Mediendidaktik sowie mit interaktiver Textarbeit. Weitere Gesprächsrunden widmeten sich dem Deutschen als einer Sprache von Wissenschaft, Forschung und beruflicher Entwicklung. Zudem ging es um das Bildungsmarketing, die gegenseitig anerkannte Zertifizierung und die Zusammenarbeit von Berufsverbänden. Im Schulforum ging es um moderne Lehrwerke für den Deutschunterricht in Kasachstan und um die Fortbildung von Lehrkräften.

Am zweiten Tag stand die Entwicklung einer zentralasiatischen Roadmap für die deutsche Sprache für 2026 bis 2030 im Mittelpunkt. Mehrere Arbeitsgruppen widmeten sich der Hochschulkooperation und akademischen Mobilität, den Verbindungen zwischen Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt sowie der Forschung, dem wissenschaftlichen Nachwuchs und den beruflichen Netzwerken. Die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppen wurden im Abschlussplenum vorgestellt und in einer gemeinsamen Roadmap zusammengeführt.

Organisiert wurde das Forum vom Deutschlehrerverband der Republik Kasachstan gemeinsam mit der Kasachischen Nationalen Pädagogischen Frauenuniversität. Der DAAD unterstützte die Veranstaltung finanziell aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Zu den weiteren Partnern gehörten unter anderem das Goethe-Institut und der Internationale Deutschlehrerverband.

Annabel Rosin

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