Der deutsche Großhändler METRO stellt seine Geschäftstätigkeit in Kasachstan bis Ende März 2027 ein. Die sechs Märkte in Almaty, Astana, Karaganda, Schymkent, Pawlodar und Öskemen sowie der Lieferservice sollen schrittweise geschlossen werden. Damit endet nach rund 18 Jahren die Präsenz des Unternehmens im Land.
METRO eröffnete 2009 seinen ersten Markt in Astana. Das Unternehmen richtete sich in seinem Angebot vor allem an Geschäftskunden: Hotels, Restaurants, andere Gastronomiebetriebe und unabhängige Einzelhändler konnten dort Waren in größeren Mengen zu vorteilhaften Großhandelspreisen einkaufen. In den vergangenen Jahren baute METRO zusätzlich die Belieferung gewerblicher Kunden aus.
Wachstum stagniert
Als Grund für den Rückzug nannte METRO Schwierigkeiten, eine solide Grundlage für das weitere Wachstum zu schaffen. Das Unternehmen erklärte, trotz der Bemühungen des lokalen Teams sei es schwierig geblieben, das Geschäft an die Besonderheiten des Marktes anzupassen und langfristige Wachstumsperspektiven zu entwickeln.
Eine wichtige Rolle dürfte auch die Struktur des Landes bei dieser Entscheidung gespielt haben. Kasachstan ist flächenmäßig sehr groß, während sich viele Geschäftskunden auf relativ wenige Großstädte konzentrieren. Die sechs METRO-Standorte in Kasachstan liegen weit entfernt voneinander, was den Betrieb eines Großhandelsmodells erschwert, bei dem man auf große Warenmengen und vergleichsweise wenige Zusatzleistungen setzt.
Zugleich verändert sich der Handel selbst: Neben stationären Märkten gewinnen Onlinebestellungen und schnelle Lieferdienste an Bedeutung. Dabei können Anbieter, die mehrere Einkaufswege miteinander verbinden, ihre Geschäftskunden flexibler bedienen. Für kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants, die bisher bei METRO einkauften, kommen daher zunehmend andere Handelsketten als Bezugsquellen infrage.
Die Nachfrage nach Großhandelswaren dürfte mit der Schließung der METRO-Märkte nicht verschwinden. Sie wird sich voraussichtlich auf andere Anbieter verteilen. Ein unmittelbarer Preisanstieg ist laut dem von Kazinform befragten Branchenvertreter nicht automatisch zu erwarten. Ob sich Preise oder Lieferbedingungen später verändern, hängt davon ab, wie andere Unternehmen die freiwerdende Nachfrage aufnehmen.
Auch wirtschaftlich war die Niederlassung für Kasachstan relevant. Laut den von Forbes Kazakhstan angeführten Daten stiegen ihre jährlichen Steuerzahlungen von 746 Millionen Tenge im Jahr 2020 auf 4,46 Milliarden Tenge im Jahr 2025. Für 2026 waren zum Zeitpunkt dieses Berichts bereits mehr als 3,5 Milliarden Tenge gezahlt worden.
Nach der Schließung werden sich die betroffenen Geschäftskunden neu orientieren müssen. Für sie werden neben den Preisen auch die Lieferfähigkeit, das verfügbare Sortiment und die Möglichkeit entscheidend sein, die jeweiligen Einkäufe regelmäßig und in gleicher Qualität machen zu können. Wie gut andere Anbieter diese Lücke füllen, dürfte sich im Verlauf der schrittweisen Schließungen bis März 2027 zeigen.
aro.

























