Der 28. Tag der Deutschen Wirtschaft in Almaty brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Unter dem Leitthema „Kasachstan im Zentrum der regionalen Integration: Neue Perspektiven für die internationale Zusammenarbeit“ ging es um die wirtschaftliche Rolle des Landes in der Region. Außerdem wurde die Zukunft der deutsch-kasachischen Zusammenarbeit diskutiert.

Das sehr vielseitig gestaltete Programm führte von der Eröffnung mit zwei Botschafterinnen aus Astana über Plenarsitzungen zum Investitionshub Alatau City und zur Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen. Darüber hinaus ging es bis zu den Fachpanels über Künstliche Intelligenz und Logistik.

Die Konferenz wurde vom Verband der Deutschen Wirtschaft in der Republik Kasachstan (VDW) gemeinsam mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien (AHK) veranstaltet. Den Auftakt bildete die Eröffnung „Wirtschaft trifft Diplomatie“. An der Eröffnung nahm neben der EU-Botschafterin Aleška Simkić auch die seit Mitte August amtierende deutsche Botschafterin Dr. Heike Renate Peitsch teil.

Auch Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Minderheit nehmen jährlich am Tag der deutschen Wirtschaft teil.

Die diplomatische Präsenz unterstrich das politische Gewicht des Wirtschaftstags. Im anschließenden Austausch wurden die Schwerpunkte der EU-kasachischen Zusammenarbeit umrissen. Diese waren in die Kategorien Rohstoffe und Energie, Transport sowie Technologie- und Wissenstransfer gruppiert. Auch die Reformen der Regierung Kasachstans zur Stärkung von Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation standen im Mittelpunkt der Debatte.

Die EU-Botschafterin Aleška Simkić betonte, dass Europas Engagement für Kasachstan und Zentralasien auch nach einem Ende des Krieges in der Ukraine fortbestehen werde. Die Partnerschaften seien langfristig angelegt. Im gleichen Sinne erinnerte die deutsche Botschafterin Dr. Heike Renate Peitsch an die seit 2012 bestehende Rohstoff- und Technologiepartnerschaft zwischen Deutschland und Kasachstan. Deren Potential sei noch lange nicht ausgeschöpft.

Alatau City, Rohstoffe und Investitionen

In der anschließenden Plenarsitzung zu Kasachstans Rolle in der regionalen Integration warb Alisher Abdykadyrov von der Alatau City Authority intensiv um Investitionen in das Großprojekt Alatau City. Dieses soll eine neue Stadt nördlich von Almaty und eine neue Wirtschaftsregion mit einem Sonderrechtsregime entwickeln.

Die kasachische Regierung beschreibt Alatau City als „Stadt beschleunigter Entwicklung“ und plant dafür unter anderem besondere Verwaltungs-, Steuer- und Zollregelungen sowie einen digitalen Stadtdistrikt. Zu den möglichen Besonderheiten des rechtlichen Rahmens von Alatau City zählt auch, dass dort Immobilien durch ausländische Staatsbürger erworben werden können.

Die Plenarsitzung behandelte neben neuen Wirtschafts- und Innovationszentren auch die Bedeutung des Rohstoffsektors sowie typische Wachstumschancen, Herausforderungen und Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen in Kasachstan. Auf dem Podium saßen neben Abdykadyrov auch Vertreter von Rödl, der SCHNEIDER GROUP und Heidelberg Materials Kazakhstan. Jeder von ihnen schlug Reformen zur Stärkung von Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation vor.

Im Verlauf der Konferenz wurde auch die Rolle Europas in der zentralasiatischen Region eingeordnet. Ein kasachischer Experte merkte sinngemäß an, dass die EU derzeit vor allem von Kasachstans außenpolitischer Doktrin des Multivektorismus profitiere. Astana halte sich durch Beziehungen zu verschiedenen Partnern Handlungsspielraum offen und wolle seine internationalen Verbindungen ausbalancieren.

Mehrere Experten verwiesen darauf, dass der Multivektorismus im Rohstoffsektor besonders deutlich werde. Zwischen einer Absichtserklärung und dem tatsächlichen Einsatz von Investitionskapital könne viel Zeit vergehen. Zunächst benötigten die jeweiligen Projekte eine Finanzierung, Abnahmevereinbarungen und verlässliche Zeitpläne. Während diese Voraussetzungen durch die einen Investoren noch geschaffen würden, könnten andere Investoren auftauchen. Diese könnten schneller handelnd zum Ziel kommen.

Die Herausforderung liege häufig nicht allein im Zugang zu Rohstoffen, sondern auch in ihrer Verarbeitung. Wer Rohstoffe lediglich beziehe, bleibe ein bloßer Abnehmer. Wer aber beim Aufbau der regionalen Verarbeitungskapazitäten helfe, würde dagegen die vermehrte lokale Wertschöpfung ermöglichen und könne sich als langfristiger Partner positionieren. Europas Angebot umfasse neben Kapital auch Technologie- und Wissenstransfer sowie transparente Standards. Damit daraus konkrete Investitionen würden, brauche es passende Finanzierungsinstrumente, verbindliche Abnahmezusagen und verlässliche Projektabläufe.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Nach der Plenarsitzung widmete sich das erste Fachpanel dem Wandel von der Digitalisierung zur Künstlichen Intelligenz. Die Diskussion machte deutlich, dass die K.I. zunehmend in industrielle Prozesse einzieht. Ihr Potenzial lässt sich besonders dort nutzen, wo Unternehmen bereits digitalisierte Abläufe und eine solide Datenbasis haben.

Zugleich bleibt die K.I. ein Werkzeug, das die Menschen unterstützt. Ihr Einsatz verändert die Anforderungen an Bildung, Qualifizierung und berufliche Kompetenzen. Die digitale Transformation ist damit nicht nur eine technologische Aufgabe, sondern auch eine Herausforderung. Sie betrifft das gesamte Personal eines Unternehmens.

Das zweite Panel befasste sich mit digitalen Lieferketten, dem Mittleren Korridor und dem Einsatz von KI in der Logistik. Digitale Anwendungen können die Abläufe entlang einer Lieferkette transparenter und effizienter machen. Für die weitere Entwicklung der Logistik in Kasachstan bleibt es jedoch wichtig, auch fachliche Expertise der involvierten Personen zu verbessen und durchgängig integrierte digitale Lösungen zu implementieren.

Während der Pausen boten viele Informationsstände Einblicke in die Arbeit deutscher Unternehmen in Kasachstan. Rödl, Heidelberg Materials, Spaarmann und weitere Firmen präsentierten ihre Präsenz und Aktivitäten im Land. Auch der persönliche Austausch am Rande der Konferenz gehört zum Wirtschaftstag. Aus solchen Gesprächen können leicht neue Kontakte und sogar gemeinsame Vorhaben entstehen.

Die Diskussionen des Tages führten damit zu einer gemeinsamen Kernfrage: Entscheidend für den geschäftlichen Erfolg ist nicht nur, wer am Verhandlungstisch sitzt. Entscheidend ist oft, wer aus den gemeinsamen Absichtserklärungen auch konkrete Projekte macht, die umgesetzt werden und beiden Seiten in Kasachstan und in Deutschland einen langfristigen Nutzen bringen.

Annabel Rosin

Von links nach rechts: Waldemar Wegelin (Aktionär der Aktiengesellschaft Gold Product), Yevgeniy Bolgert (Abgeordneter des Kurultai und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Selbstorganisation der Deutschen in Kasachstan) und Dmitri Engelhardt (Mitarbeiter des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Almaty).

Der Tag der Deutschen Wirtschaft in Kasachstan

Der Tag der Deutschen Wirtschaft (TDW) zählt zu den zentralen Begegnungs- und Austauschformaten für deutsche Unternehmen in Kasachstan. Der Verband der Deutschen Wirtschaft in der Republik Kasachstan (VDW) richtet diese jährliche Konferenz gemeinsam mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien (AHK) aus. Sie bringt Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen.

Die Konferenz bietet Gelegenheit,

• wirtschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen zu diskutieren,
• deutsche Technologien und Fachwissen vorzustellen,
• Kontakte zwischen kasachischen und deutschen Unternehmen zu knüpfen,
• Ideen für gemeinsame Vorhaben und Investitionen weiterzuentwickeln.

Neben Plenarsitzungen und Fachpanels ist der persönliche Austausch ein wichtiger Teil des Treffens. Gespräche am Rande der Konferenz können neue Kontakte schaffen und den Weg für spätere Kooperationen ebnen.

Der 28. Tag der Deutschen Wirtschaft stand unter dem Motto „Kasachstan im Zentrum der regionalen Integration: Neue Perspektiven für die internationale Zusammenarbeit“. Damit rückten sowohl die wirtschaftlichen Chancen der Region als auch die Frage nach der künftigen Rolle deutscher Unternehmen in einem dynamischen und anspruchsvollen Umfeld in den Blick.

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