Das diesjährige 60. Jubiläum der DAZ hat mich gleichzeitig wehmütig zurückblicken lassen und dennoch stolz sagen lassen: Wir waren dabei!
Was die Jahreszahlen 1966 und 2026 für die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) bzw. die „Freundschaft“ bedeuten, lässt sich nur schwer in Worte fassen: Das Gründungsjahr der DAZ als wichtiges Sprachrohr der deutschsprachigen Minderheit in Kasachstan ist nun sechs Jahrzehnte her! Diese Jahre umfassen fast ein ganzes Menschenleben – und das in unterschiedlichen Epochen. Ganz sicher jedoch beinhalteten sie für alle Mitarbeiter der „Freundschaft“ und der „DAZ“ unvergessliche Momente, bereichernde Begegnungen voller Inspirationen, aber auch harte Arbeit!
Fünfzehn Jahre ist es her, seit ich 2011 als Redakteurin des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) für ein Jahr in die DAZ-Redaktion nach Almaty entsandt wurde.
Nach sehr fordernden beruflichen Jahren suchte ich damals eine Tätigkeit mit Leidenschaft, Inspiration und „geistiger Weite“. Wer hätte gedacht, dass ich genau das alles in Almaty finden würde…
Mich reizte damals die völlig neue Arbeitsweise in einem multikulturellen Team der DAZ, die Vermittlerrolle zwischen Kasachstan und Deutschland, aber auch die Schnittstellenfunktion zwischen deutschstämmiger Minderheit, Redaktion und dem ifa-Institut in Stuttgart.
Nicht nur das Flair dieser südlichen ehemaligen Hauptstadt Kasachstans am Rande des Trans-Ili-Alataus hat mich begeistert, sondern auch die Menschen und die herzliche, inspirierende Arbeitsatmosphäre in der Redaktion. Wir waren wie eine große Familie! Wir konnten sowohl unter Hochdruck „im Akkord“ arbeiten als auch nach getaner Arbeit zusammen scherzen und lachen.
Ich bin unendlich dankbar für die Gelegenheiten, in denen ich hochgeschätzte Autoren der DAZ und geistige Größen, wie Herold Belger oder Iwan Sartison kennenlernen durfte. Herold Belger prägte mit seinen Texten die Redaktionsarbeit wie kein anderer; leider war er zu diesem Zeitpunkt schon schwer erkrankt. Nicht zu vergessen unseren lieben Freund Eugen Hildebrand bzw. Ewgenij Jakowlewitsch, der seit der Gründerzeit der „Freundschaft“ als äußerst fachkundiger und akribischer Korrektor des deutschsprachigen Textanteils tätig war. Durch seine Lexik-Auswahl in den Texten hatte er eine wichtige Gestaltungskraft.
Wir führten lange, bereichernde Gespräche über die deutsche Sprache, Literatur, Philosophie und das Leben an sich – wie könnte man diese Momente vergessen! Für die deutsche Minderheit in Kasachstan waren sowohl die Autoren der DAZ als auch der Korrektor Eugen Hildebrand mit seiner Liebe zur deutschen Sprache eine wichtige Stimme.
Auch nach meiner Zeit in Kasachstan pflegten Eugen Hildebrand und ich eine bis zu seinem Tode andauernde jahrelange Freundschaft. In einem regen Briefwechsel bestellte er voller Begeisterung viele Bücher in Deutschland, welche anschließend nach Kasachstan „eingeflogen“ wurden. Dieses Vergnügen ließ ich mir während meiner Urlaubs-Besuche nach Kasachstan in den Folgejahren nicht nehmen…
Meine Zeit in der DAZ kann ich rückblickend als eine unglaubliche Bereicherung bezeichnen: sowohl in der Persönlichkeitsentwicklung, durch das Kennenlernen von Land und Leuten sowie durch die vielschichtige Kultur der deutschen Minderheit und der vielen Ethnien im Land.
Einen besonderen Dank möchte ich unserer unermüdlichen Chefredakteurin Olesja Klimenko aussprechen, die mit Fachexpertise, umfangreichem Wissen, einem hohen Arbeitsethos und einer Menge Energie seit vielen Jahren die Geschicke der DAZ leitet! Ich wünsche Dir, liebe Olesja, und dem gesamten Redaktionsteam weiterhin eine glückliche Hand und gutes Gelingen für eure Arbeit!


























