Bei einer Übung der kasachstanischen Marine wurden 17 Soldaten von hohen Wellen ins offene Meer gerissen. Drei überlebten. Fünf Offiziere wurden festgenommen; die Ermittler prüfen, ob die Übung trotz der Wetterlage hätte stattfinden dürfen.

Ein Manöver der kasachstanischen Marine im Kaspischen Meer ist in einer Katastrophe geendet: Am 24. September kamen 14 Seeleute ums Leben, nachdem sie während einer Übung ins Wasser geraten waren. Insgesamt wurden 17 Soldaten von den Wellen erfasst. Drei konnten gerettet werden. Die übrigen starben; zunächst bargen die Rettungskräfte zwölf Leichen, die beiden noch vermissten Seeleute wurden später gefunden.

Der Unfall ereignete sich beim Ausbooten von einem Schiff. Kanat Nijazbekow, der Oberkommandierende der kasachstanischen Seestreitkräfte, sagte, die Soldaten seien wegen der Wetterbedingungen und hoher Wellen ins Meer geraten. In der Region Mangystau, an der Küste des Kaspischen Meeres, waren an dem Manöver rund 500 Seeleute und Marinesoldaten beteiligt. Die mehrtägige Übung trug den Namen „Khazar Korgany-2026“ und sollte unter anderem das gemeinsame Manövrieren sowie Such- und Rettungseinsätze trainieren.

Viele der Getöteten waren Wehrpflichtige im Alter von 19 bis 21 Jahren. Einige standen nach Angaben des Marinechefs kurz vor dem Ende ihres Wehrdienstes. Kasachstan erklärte den 25. September zum nationalen Trauertag. Präsident Kassym-Schomart Tokajew sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Die Regierung kündigte an, die Bestattungskosten zu übernehmen und die Familien der Toten finanziell zu unterstützen.

Ermittlungen gegen fünf Offiziere

Am Tag nach dem Unglück nahm das Innenministerium fünf Offiziere fest. Unter ihnen befindet sich der stellvertretende Oberkommandierende der Marine, Danijar Chairuschew. Gegen die Beschuldigten wird wegen möglicher Pflichtverletzungen und Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften ermittelt. Die Staatsanwaltschaft untersucht, welche Entscheidungen bei der Vorbereitung und Durchführung des Manövers getroffen wurden und ob die Wetterlage ausreichend berücksichtigt wurde.

Der Marinechef erklärte auf die Frage, ob die Verantwortlichen die Wetterbedingungen vor Beginn der Übung geprüft hätten, diese seien „insgesamt berücksichtigt“ worden. Die Aussage dürfte Teil der laufenden Untersuchung sein. Der Vater eines der geretteten Soldaten äußerte gegenüber kasachischen Medien deutliche Kritik: Bei einem solchen Wetter hätte man die Soldaten seiner Ansicht nach nicht zu der Übung hinausschicken dürfen.

Die kasachischen Streitkräfte hatten das Manöver als Teil ihrer Ausbildung zur Einsatzbereitschaft angekündigt. Nach dem Unglück stehen nun die Entscheidungen der Verantwortlichen im Mittelpunkt: Die Ermittler müssen klären, wie sich die Wetterbedingungen während der Übung entwickelten, welche Schutzmaßnahmen getroffen wurden und ob der Einsatz hätte abgebrochen werden müssen. Bis zum Abschluss der Untersuchung gelten die Festgenommenen als Beschuldigte; über ihre rechtliche Verantwortung ist noch nicht entschieden.

Drei Tage nach dem Unglück zog Präsident Tokajew auch politische Konsequenzen: Er entließ Verteidigungsminister Dauren Kosanow und ernannte Aidos Myrsachmetow zum neuen Ressortchef. Bereits am Vortag hatte der Präsident eine umfassende Überprüfung des Verteidigungsministeriums angeordnet. Die Ermittlungen zum Ablauf der Übung und zur Verantwortung der beteiligten Offiziere dauern an.

aro.

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