Video– und Computerspiele erfreuen sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit – selbst in einem abgeschotteten Land wie Turkmenistan, das nicht gerade als Hort der Internetfreiheit bekannt ist. Seit Februar gibt es dort eine Föderation, die sich Förderung des Computersports auf die Fahnen geschrieben hat.

Kein Aprilscherz, wie das Onlinemagazin Orient.tm betont, sondern im Ernst: In Turkmenistan gibt es jetzt die „Föderation des Computersports Turkmenistans“ (TNeSF). Das teilte die turkmenische Assoziation der E-Sportler am 1. April mit. „Computersport ist momentan nicht nur im Westen oder in China sehr beliebt. Er wurde bereits in Ägypten, Namibia und Südafrika offiziell als Sportart anerkannt. Diese Entscheidung hat einen Knalleffekt in der Branche ausgelöst. Das können wir auch – und sogar noch besser“, sagten der Präsident der Assoziation Mekan „Boomer“ Ejeberdyjew sowie die Vize-Präsidenten Nazar „NaZA“ Udeumuradow und Wladislaw Badalow gegenüber Orient.tm.

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Siegeszug des E-Sports

Der Begriff E-Sport steht kurz für elektronischer Sport und bezeichnet einen Wettkampf zwischen Menschen durch Computerspiele. Üblicherweise wird der Wettkampf mit Hilfe des Mehrspielermodus eines Computerspieles ausgetragen. In den USA und Frankreich wird E-Sport von etablierten Sportverbänden als Sportart eingestuft. Der Deutsche Olympische Sportbund hingegen erkennt E-Sport nicht als Sportart an.

Die ersten offiziellen Wettkämpfe, bei denen Computerspieler direkt gegeneinander antreten können, gab es schon in den 1970er Jahren in den USA. Die Entwicklung des E-Sports ist eng mit der Entwicklung von Computern und des Internets verbunden. Durch die Verbreitung des Internets gewannen Video– und Computerspiele zunehmend an Beliebtheit und eröffneten neue Möglichkeiten für die Branche.

In Turkmenistan wurden die ersten Computerclubs in den 2000er Jahren gegründet. Schon damals gab es erste inoffizielle Turniere. In den Jahren 2005 und 2006 nahmen turkmenische E-Sportler an den World Cyber Games (WCG) in Singapur und Italien teil, 2007 am ASUS CUP in Russland. Bei der Asiade in Aschgabat vergangenes Jahr war E-Sport ebenfalls Teil des Wettbewerbsprogrammes, allerdings konnten turkmenische Spieler keinen einzigen Punkt holen. Zuletzt nahmen turkmenische E-Sportler an den World Electronic Sport Games (WESG) diesen März in China teil.

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Ausbau der turkmenischen Videospielszene

Turkmenische E-Sportler bei den World Electronic Sport Games in China.
Turkmenische E-Sportler bei den World Electronic Sport Games in China. | Foto: WESG

Offiziell werden drei Computerspiele als Disziplin im Computersport anerkannt: das Strategiespiel Dota 2, das Sammelkartenspiel Hearthstone und der Ego-Shooter Counter-Strike. Für die Zukunft wollen die Organisatoren der Föderation auch Sportsimulationen wie FIFA, Kampfsportspiele oder Echtzeit-Strategiespiele aufnehmen.

Seit Februar 2018 hat die TNeSF die erforderlichen Genehmigungen seitens des Staates, um aktiv zu arbeiten. Ab Mai soll es nach Absprache mit dem Kommunikationsministerium einen eigenen Kanal der Föderation geben. Zudem plant die TNeSF den Beitritt zur International eSport Federation (IeSF) – ein Zusammenschluss aus mittlerweile 48 E-Sport-Verbänden aus der ganzen Welt. Laut dem Verbandsvorsitzenden kann sich jeder – unabhängig von Alter oder Geschlecht – für die Mitgliedschaft qualifizieren, der ein gutes Spiel hinlegt. Sportler werden sich offiziell ab dem 1. Juni registrieren können.

Allerdings ist der Zugang zum Internet streng reguliert und die Kosten in einem Land mit einem Durchschnittseinkommen von rund 140 Euro für die meisten Menschen kaum bezahlbar. Das Onlinejournal Fergananews nennt 139 Euro im Monat für einen unbegrenzten Tarif.

Hinzu kommt, dass die meisten sozialen Netzwerke in Turkmenistan blockiert sind. Diese wären für die Spieler allerdings notwendig, um sich mit anderen E-Sportlern auszutauschen und in der Gemeinschaft bekannter zu werden. Auf der Video-Plattform YouTube werden regelmäßig Videos hochgeladen, die als Leitfäden für Computerspieler dienen.

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