Vom 17. bis 19. September kamen ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) aus Zentralasien im Kasachisch-Deutschen Zentrum in Astana zur II. IPS-Alumni-Regionalkonferenz „Herausforderungen für die Nationenbildung in Zentralasien und im Kaukasus“ zusammen.
An der Veranstaltung nahmen 12 IPS-Alumni verschiedener Jahrgänge aus Kasachstan, Armenien, der Mongolei, Aserbaidschan, Georgien und Usbekistan teil. Das Event wurde durch Mittel des Deutschen Bundestages sowie der lokalen Vertretungen der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert. Das Event wurde von einem Organisationsteam aus Aktivisten des IPS-Alumni-Vereins Kasachstan organisiert.
Praktische Einblicke in parlamentarische Arbeit
In seiner Begrüßungsrede betonte der Kurultai-Abgeordnete Yevgeniy Bolgert Deutschlands Bedeutung als wichtigen europäischen Partner Kasachstans. Besonders hob er die Rolle der parlamentarischen Diplomatie und der IPS-Alumni hervor, die zwischen politischen Kulturen, Institutionen und Menschen vermitteln könnten.
Zugleich unterstrich er den Wert einer gut ausgebildeten, engagierten jungen Generation. Das IPS eröffne praktische Einblicke in die parlamentarische Arbeit, erweitere Perspektiven und fördere internationale Netzwerke.
Daran knüpfte Helena Garkawa an, die eine der Organisatorinnen und Vorsitzende des IPS-Alumni-Vereins Kasachstan ist und zu den IPS-Alumni von 2020–2021 gehört: „Für mich war es ein echter Erfolg, die Nationenbildung auf verschiedene Art und Weise mit den IPS-Alumni aus der Region Zentralasien und Kaukasus zu besprechen. Es ist ausgesprochen wichtig, in der heutigen turbulenten Zeit diese Fragen aus regionaler Perspektive zu erörtern, die Herausforderungen zu benennen und effektive Lösungen für unsere Demokratien zu finden.“
Im Mittelpunkt der Konferenz standen die Diskussion über eine gemeinsame zentralasiatische Identität, die Erinnerung an die Hungersnot „Ascharschylyq“ in den Jahren 1931–1933 sowie die Erinnerungskultur und der Umgang mit dem Stalinismus im heutigen Kasachstan. Darüber hinaus setzten sich die Teilnehmenden mit dem sowjetischen Erbe auseinander, insbesondere im Zusammenhang mit Islam, dem Nauryz-Fest und den Dekolonisierungsprozessen in Zentralasien. Die Teilnehmer berichteten über die Situation in ihren Ländern, wobei den Prozessen der Nationenbildung und nationalen Identität besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dieser Teil wurde mit einem Workshop zur Erstellung einer Mindmap zu den thematischen Schwerpunkten der Konferenz abgeschlossen.
Fragen der Identitätsbildung in Zentralasien
Der aserbaidschanische IPS-Alumnus 2018 Vasif Huseynov würdigte die Veranstaltung als eine hervorragende Gelegenheit, um Fragen der Identitätsbildung in Zentralasien und dem Kaukasus zu diskutieren. Aber zugleich bot sich ihm bei seinem ersten Besuch in der Region die Gelegenheit, Kasachstan und dessen junge Nation näher kennenzulernen.
Besonders hob er das Format des Austauschs hervor: „Für mich war es von großer Bedeutung, sensible Themen im Rahmen der Chatham-House-Regel besprechen zu können – beispielsweise die Herausforderungen bei der Formierung unserer Nation und die Frage: ‚Wer sind wir?‘ Es herrschte ein sehr offenes Umfeld mit gewinnbringenden Diskussionen, und ich bin überzeugt, dass alle Teilnehmenden eine ähnlich wertvolle Erfahrung gemacht haben.“
Auch ein Besuch im Museum ALZHIR stand auf dem Programm, in welchem die Teilnehmenden vor Ort die Geschichten von zahlreichen gebrochenen Schicksalen kennenlernten. Nach der Blumenniederlegung an der Gedenkstätte wurden die Konferenzteilnehmer nach QAZAQ AUYLY in der Nähe des Museums gefahren. Dort erlebten sie die Wiederbelebung des ethnischen Handwerks der Kasachen, wie den Aufbau von Jurten (traditionelle, zusammenklappbare Häuser der Nomaden), und sie stellten selber Qurt aus hausgemachtem Quark her.
Die II. Regionalkonferenz der IPS-Alumni in Astana ging mit einer Reflexionsrunde neben einer Jurte, bei der die Teilnehmenden traditionelle Gerichte der kasachischen Küche probierten, unter einem Schanyraq – dem Symbol für Vereinigung und Traditionspflege – sehr symbolträchtig zu Ende.
Der IPS-Alumni-Verein Kasachstan hat die Regionalkonferenz in Astana zum zweiten Mal organisiert. Die erste Regionalkonferenz hatte im Oktober 2016 unter dem Titel „Fachkräfte für Zukunftsenergien: Probleme und Perspektiven“ stattgefunden und damals ebenfalls Alumni aus sechs Ländern der Region zusammengebracht.























